5. KUNSTSTOFF-DIA(hr)LOGĀ® bei AKRO-PLASTIC

Die AKRO-PLASTIC GmbH, Spezialist für innovative und anwendungsorientierte Kunststoffcompounds, lud am 4. und 5. Mai 2011 zum fünften KUNSTSTOFF-DIA(hr)LOG® ins rheinland-pfälzische Niederzissen. Unter dem Motto „Visions in Engineering Plastics“ bildeten auch in diesem Jahr hochinteressante Referate zu den unterschiedlichsten Themenschwerpunkten rund um die Wertschöpfungskette Kunststoffe den Rahmen für eine interessante Veranstaltung.

Mit dem Ausbau des Lagers sowie dem Erweiterungsbau für die Verwaltung und das Labor wurde in 2010/2011 am Standort Niederzissen ein großer Schritt in Richtung Zukunft getan. Der neue, moderne Tagungsraum bot erstmalig die Kulisse für diese Fachveranstaltungsreihe. Herr Andreas Stuber, Geschäftsführer der AKRO-PLASTIC GmbH, freute sich, die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder mit positiven Nachrichten aus der Unternehmensgruppe eröffnen zu können. Auch bei der chinesischen Tochtergesellschaft AKRO Engineering Plastics investierte man in einen neuen Fertigungsstandort, der bereits im 3. Quartal 2010 in Betrieb gegangen ist.

 

Die Geschäftsführung ist mit dem Geschäftsergebnis 2010 sehr zufrieden und prognostiziert für 2011 erneutes Wachstum. Auf den positiven Trend will man mit weiteren Investitionen am Stammsitz in Niederzissen reagieren.

Ebenso visionär, wie die AKRO-PLASTIC in die Zukunft schaut, waren auch die Vorträge der einzelnen Referenten. „Visionäre sind die Gewinner von morgen“, so Leander Bergmann, Leiter Marketing der AKRO-PLASTIC und Moderator der Veranstaltung. „Unter unserem Motto „Visions in Engineering Plastics“ bieten wir unseren Gästen die Möglichkeit, selbst zum Visionär zu werden und einen Blick in die Zukunft der Kunststoffindustrie zu werfen.“

 

Bei der Auswahl der Referenten achtete Herr Bergmann auf eine ausgewogene Mischung. Aufgeteilt in drei Sektionen wurden unterschiedliche Themengebiete diskutiert.

 

Nach einer kurzen Vorstellung der AKRO-PLASTIC GmbH und einem Ausblick in die Zukunft der Unternehmensaktivitäten begann Dr. Heiko Eckert, Geschäftsführender Gesellschafter beim Center for Complex Systems GmbH & Co. KG, Weinstadt mit seinem Referat zum Thema „Management komplexer Systeme – Lernen von der Natur“. Laut Dr. Eckert stehen Unternehmen heute vor der Herausforderung, dass die Komplexität und Veränderungsgeschwindigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Die globale Vernetzung macht neue Geschäftsmodelle möglich und bricht klassische Branchenstrukturen auf. „Da viele Managementkonzepte für stabile Zeiten entwickelt worden sind, führen sie deshalb immer häufiger zu gravierendem Fehlverhalten.“, zitierte Dr. Eckert den schwedischen Managementvordenker Kjell Nordström.

 

Während seines Vortrags analysierte Dr. Eckert verschiedene Managementmethoden und deren Gestaltungfelder und gewährte einen ersten Einblick in die Bausteine der „Evidence-based Change“ Architektur, die beim Management komplexer Systeme eine wichtige Hilfestellung ist.

 

Martin Marsche, Project Manager New Applications/Business Development and Innovation Textile Fibers bei der österreichischen Lenzing AG, referierte in seinem Vortrag über den Einsatz von Naturfasern und man-made Cellulosefasern als Verstärkungsstoffe für technische Kunststoffe. Nach einem Einblick in die Aktivitäten der Firmengruppe zeigte Herr Marsche anschaulich die wirtschaftliche Entwicklung von Nachfrage und Produktion nachwachsender Polymere innerhalb der letzten 10 Jahre sowie eine beeindruckende Prognose bis 2016 auf. Laut Marsche wird sich die Preisentwicklung bei nachwachsenden Polymeren mit Zunahme der am Markt verfügbaren Mengen innerhalb der nächsten Jahre anpassen und diese Produkte somit deutlich wirtschaftlicher werden. Martin Marsche, dessen Unternehmen sich auf die Herstellung cellulosischer Fasern spezialisiert hat, wagte außerdem noch einen Blick auf die Auswirkung der unterschiedlichen Fasern auf die globale Klimaerwärmung.

„Die von uns hergestellten Cellulosefasern erzeugen in der Herstellung deutlich weniger CO2 als Hanf- oder Flachsfasern und der Verbrauch fossiler Brennstoffe bei deren Erzeugung ist zudem deutlich geringer als z.B. bei der Produktion von Glasfasern“.

 

Darüber hinaus erläuterte Marsche die wichtigsten Eigenschaften der Cellulosefasern in Bezug auf Dosierbarkeit, Dispergierung, Durchmesser/LD-Verhältnis, Temperaturstabilität, Einfärbbarkeit, Oberflächenqualität, Leichtbau-Potential sowie deren mechanischen Eigenschaften.

 

Auch die AKRO-PLASTIC hat sich mit dem Thema Biokunststoffe intensiv befasst und mit AKROMID® S ein Compound auf den Markt gebracht, welches den Anforderungen an Biokunststoffe entspricht. Das Polyamid auf Basis PA 6.10 besitzt einen bis zu 70 % biogenen C-Anteil (Rizinusöl aus den Samen des Wunderbaumes ist die Grundlage für Sebacinsäure, die als Basis für den nachwachsenden Rohstoffteil des Polymers fungiert). „AKROMID® S beansprucht seinen Platz im Markt als technisches Polymer und nicht als „grüner“ Ersatzwerkstoff von PA 6“, machte Dr. Stephan Schnell, Bereichsleiter Vertrieb bei AKRO-PLASTIC in seinem Vortrag deutlich und verwies dabei auf dessen deutlich verbessertes Eigenschaftsprofil im Vergleich zu PA 6 bzw. 66. „Mit diesem PA 6.10 schließen wir demnach die Lücke zwischen PA 6/PA 6.6 und PA 12“.

 

In der Sektion „Effiziente Verarbeitung“ ging Stefan Viehweg, Geschäftsführer bei der Piovan GmbH, Garching auf die Trocknungsprozesse von technischen Kunststoffe und neuartigen Biopolymeren ein. Nach einer Einführung zum Thema Trocknung, in denen er anschaulich die Gründe für eine Trocknung, deren Grundlagen sowie die Grundbegriffe des Trocknungsprozesses erläuterte, stellte Herr Viehweg die unterschiedlichen Trocknungsanlagen und Ihre Funktionsweise vor. In einem Exkurs zum Thema PLA (Polymilchsäuren) zeigte er den angepassten Trocknungsprozess für diesen Biokunststoff auf. „Aufgrund der niedrigeren Temperaturen bei Trocknung und Verarbeitung des Materials“, so Viehweg „sparen Sie jedoch Energiekosten und können auf die Vorteile des nachwachsenden Rohstoffs in Bezug auf Kompostierbarkeit und Recyclingfähigkeit zurückgreifen“.

 

Helmut Eckardt, Direktor Neue Technologien bei der Wittmann Battenfeld GmbH & Co. KG, führte die Zuhörer in die Thematik des gas- und wasserunterstützten Spritzgießens ein. Hierbei erläuterte er die Eigenschaften und Anwendungsfelder von Strukturschaum mit chemischen bzw. physikalischen Treibmitteln und machte anhand von anschaulichen Beispielen deutlich, bei welchen Applikationen die entsprechenden Varianten von Vorteil sind.

 

Herr Eckardt stellte auch die Gasinjektionstechnik Airmould® aus dem Hause Wittmann Battenfeld vor und hob die möglichen Potentiale zur Vermeidung von Einfallstellen und Verzug sowie der Reduzierung von Gewicht und Zykluszeiten hervor.

„Im Vergleich zur Gasinjektionstechnik bietet die Wasserinjektionstechnik Aquamold® von Wittmann Battenfeld den Vorteil, dass Wasser bei uns günstig und in unbegrenzter Menge vorhanden ist und zudem noch eine hervorragende Kühlwirkung besitzt“, so Eckardt. Auch hierzu stellte er verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für diese Technologie dar und erläuterte das Verfahren anschaulich am Beispiel einiger Filme.

 

Robin Kemter, Projektmanager bei der Fischer GmbH & Co. KG eröffnete die Sektion „Anwendungsoptimierung“ mit einem Beispiel aus einer laufenden Serie in seinem Unternehmen. Er beschrieb, wie man bei Fischer ein Bauteil für eine Anwendung bei High-Class Fahrzeugen eines OEMs für die abgespeckte Low-Cost Variante mit einem kundenspezifischen Werkstoff kostengünstiger umsetzen konnte. Gemeinsam mit der AKRO-PLASTIC wurde hier ein Ersatzwerkstoff für das bisher verwendete PBT gesucht. Da die Anforderungen an die mechanischen Eigenschaften des veränderten Bauteils im Vergleich zu der Premium Variante deutlich herabgesetzt worden waren, konnte nun ein speziell modifiziertes PP Compound AKROLEN® aus dem Hause AKRO-PLASTIC eingesetzt werden.

 

„Besonders hervorzuheben ist hier, dass wir durch den Einsatz von PP keinen Trocknungsprozess benötigen und durch die geringere Verarbeitungstemperatur schnellere Zykluszeiten realisieren konnten“, so Kemter. „Durch die geringe Dichte des Materials hat sich auch das Gewicht des Bauteils verringert“. Neben der erheblichen Reduzierung der Materialkosten für dieses Bauteil wurden durch die zusätzlichen Vorteile des Materials bei dieser Anwendung die Bauteilkosten insgesamt wesentlich reduziert.

 

Zum Thema produktorientierte Materialentwicklung konnte auch Udo Gaumann, Kunststoffspezialist im Core Engineering bei der Takata-Petri AG, über seine Erfahrungen berichten. „Maßgeschneiderte Compounds können einen signifikanten Beitrag zur Kostenreduzierung im Bauteil leisten“, so Gaumann. Einerseits entwickelt man bei TAKATA-PETRI eigenständig Rezepturen für Kunststoffe, die speziell auf eine bestimmte Applikationen zugeschnitten sind und den geforderten Materialanforderungen exakt entsprechen, also auch nicht überdimensioniert sind. AKRO-PLASTIC steht in diesem Falle der TAKATA-PETRI als Lohncompoundeur zur Seite. Andererseits werden von TAKATA-PETRI die Anforderungen vorgegeben und von der AKRO-PLASTIC mit maßgeschneiderten Produkten aus dem eigenen Portfolio, wie z.B. AKROMID®, umgesetzt.

 

„Wie altern Polymere und welchen Einfluss hat die Auswahl von Additiven auf die Effektivität des Schutzes?“ fragte Dr. Inno Gaul, Leiter Additivkonzentrate bei AF-COLOR. Dr. Gaul beschrieb ausführlich die Prozesse, die innerhalb eines Kunststoffes bei der physikalischen und chemischen Alterung im molekularen Aufbau des Werkstoffes ablaufen und wie sich der Zusammenbruch des Polymergerüstes auf die Bauteile auswirkt. Doch auch Kunststoffe sind der Alterung nicht schutzlos ausgeliefert.

 

Dr. Gaul zeigte eine breite Palette an Additiven auf, deren Wirkungsbereich in Abhängigkeit der auf das Material einwirkenden Temperaturen entsprechende Prozesse im Polymer aufhalten oder verlangsamen. Anhand von Beispielen erläuterte er die Auswahlkriterien für diese Stabilisatoren und die Vorteile, die sich dadurch für die Bauteile ergeben.

 

Im mittlerweile fünften Jahr dieser Fachveranstaltungsreihe hat sich der KUNSTSTOFF-DIA(hr)LOG® als Branchentreffpunkt in angenehmer Atmosphäre etabliert. 

Referent Stefan Viehweg, Geschäftsführer der Piovan GmbH (links) und Tagungsleiter Leander Bergmann